Endlich unbeschwert essen!

In diesem Artikel sollst du mehr darüber erfahren, warum Diäten aus meiner Erfahrung scheitern und wie ich es geschafft habe, meine natürliche Ernährungsform zu finden.

Eines erstmal vorab: Auch ich ernähre mich nicht immer zu hundert Prozent vorbildlich und so wie ich es gerne hätte! Vor allem in Stresssituationen fällt es mir oft schwer, mit meinem Körper in Verbindung zu bleiben und der Schokolade zu widerstehen. Damit möchte ich dir den Druck nehmen, denn es geht nicht darum, sich an strikte Pläne zu halten, sondern vielmehr darum, seine Bedürfnisse zu beachten.

Nachdem ich jahrelang in der Diätmentalität gefangen war, bin ich heute heilfroh, diese hinter mir gelassen zu haben und endlich wieder „unbeschwert“ essen zu können. Wie ich das geschafft habe, sollst du jetzt erfahren.

Ich erinnere mich daran, dass Essen die ersten 22 Jahre meines Lebens keine Rolle für mich gespielt hat, es war mir einfach nicht wichtig. Ich habe gegessen, wenn ich hungrig war, worauf ich Lust hatte, oder was halt gerade zu Hause war, und habe aufgehört, wenn ich satt war. Vielleicht habe ich auch mal zu viel oder zu ungesund gegessen, aber es war nicht schlimm, weil ich nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet habe. Essen planen, abwiegen, im Restaurant einen Salat bestellen oder ein schlechtes Gewissen nachdem ich Süßigkeiten gegessen habe? Das gab es bei mir nicht. Ich gehörte wohl nicht gerade zu den gesündesten Essern, und trotzdem fehlte mir nichts, ich war gesund, schlank und habe mein Gewicht gehalten, ohne auf meine Ernährung zu achten.

Nach diesen beschriebenen 22 Jahren änderte sich etwas. Erst fing ich an, intensiver zu trainieren und damit kam schließlich auch das Interesse für „gesunde“ Ernährung, weil ich das Beste aus meinem Körper herausholen wollte. Ich fing plötzlich an, Lebensmittel wie Magerquark und Reiswaffeln zu essen, oder abends nach dem Sport die Mahlzeit komplett wegzulassen. Und schon steckte ich mitten in meiner ersten Diät, ohne dass ich diese bewusst geplant hatte, oder abnehmen wollte, sondern nur weil ich mich etwas gesünder ernähren wollte.

Damit begann ich meine Reise über Berge und Täler, von einer Diät zu nächsten, die ungefähr 5 Jahre andauerte. Vom radikalen Fasten über die 400 Kalorien- Crashdiät, dem 21 Tage- Programm bis zum Zuckerentzug war fast alles dabei; es gibt kaum eine Diät, die ich nicht ausprobiert habe.
Und welche ist denn nun DIE Wunderdiät? Wird der Eine oder Andere sich jetzt vielleicht fragen. Die Antwort ist kurz und womöglich enttäuschend: Keine! Ich als fleißiger Diättester kann heute mit etwas Abstand beurteilen, dass nicht eine der vielen Diäten langfristig etwas Positives gebracht hat. Ganz im Gegenteil, ich wog deutlich mehr als vor meiner Diätkarriere.

Das hast du von anderen vielleicht auch schonmal gehört, oder die Erfahrung sogar selbst machen müssen und es lässt sich auch ganz einfach erklären. Hierbei gibt es zwei Formen von Diäten. Bei der ersten und häufigsten Diätform geht man in ein Kaloriendefizit. Das heißt, man verbraucht durch seine Aktivität am Tag mehr Kalorien, als man durch Nahrung zu sich nimmt, mit dem Ziel der Gewichtsreduktion. Damit simulieren wir unserem Körper eine Hungerphase. Die Konsequenz ist, dass unser Körper Energie einspart. Nach anfänglichen Erfolgen geht das Gewicht oft nicht weiter nach unten, denn sobald wir etwas essen, füllt der Körper die Speicher wieder auf und wenn wir wieder normal, also außerhalb des Kaloriendefizits essen, nehmen wir schnell wieder zu (Jo- Jo- Effekt). Bei mir kamen nach jedem Defizit sogar schlimme Essanfälle hinzu, in denen sich mein Körper zurückholte, was ich ihm zuvor verwehrte. Es war ein Teufelskreis aus zu wenig bis gar nicht essen und viel zu viel essen, aus dem ich keinen Ausweg sah. Ich dachte, ich könnte nie wieder auf meinen Körper hören und ganz normal essen.

Die zweite Diätform ist der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Nährstoffe, wie zum Beispiel Kohlenhydrate, Zucker, …

„Stell dir jetzt auf gar keinen Fall einen rosa Elefanten vor!“

Oder denk mal an ein kleines Kind, das schreiend an der Supermarktkasse steht, weil es den Lolly nicht bekommt. Und plötzlich hat es keinen größeren Wunsch, als diesen einen Lolly.

Diese Beispiele verbildlichen, wie unser Unterbewusstsein auf Verzicht reagiert. „Ich darf das nicht- Ich will es!“ Wenn du dir also beispielsweise sagst „Ab morgen esse ich keine Schokolade mehr!“ Dann gibst du der Schokolade mehr Aufmerksamkeit, fokussierst dich darauf und wirst plötzlich überall Schokolade sehen und dein Verlangen wird größer denn je.
Glaubst du, dass du durch Verzicht langfristigen Erfolg haben kannst? Ich habe es nicht geschafft.

Wenn ich also am Kaloriendefizit und am Verzicht gescheitert bin, wie habe ich dann wieder abgenommen? Ganz einfach: Indem ich keine Diät mehr gemacht habe!

Ich bin vor etwas mehr als einem Jahr auf „Intuitives Essen“ gestoßen und war bereit mich auf ein neues Experiment einzulassen.

Intuitives Essen bedeutet:

  1. Iss, wenn du körperlich hungrig bist.
  2. Iss, was dir schmeckt und guttut.
  3. Iss langsam und achtsam.
  4. Höre auf zu essen, wenn du angenehm satt bist.

Als ich das las, hatte ich sofort Lust es auszuprobieren, da es die erste Ernährungsform war, von der ich hörte, bei der es keine Einschränkungen gab. Außerdem beschrieb es genau die Ernährung, die ich vor meiner Diätkarriere hatte. Etwas Sorge hatte ich dennoch, dass das Ganze wieder in einem riesigen Essanfall enden würde, wenn ich mir ab sofort all die „bösen“ Lebensmittel erlaube, die ich mir die letzten Jahre verboten hatte. Aber ein Versuch war es wert und so ging ich los und kaufte ein wie früher, als ich von zu Hause ausgezogen war und alles in den Einkaufswagen legte, was mich spontan ansprach.

Natürlich funktionierte es nicht von Anfang an reibungslos. Auch intuitives Essen muss man lernen, gerade wenn man kaum noch ein Hunger- oder Sättigungsgefühl spüren kann. Aber es lohnt sich! Ich trat langsam wieder in Verbindung mit meinem Körper, achtete auf meinen Hunger, spürte Sättigung und auch wenn ich mich mal überessen hatte.

Was mir in dieser Umstellungsphase geholfen hat:

  1. Freue dich auf Lebensmittel, die du dir lange verboten hast
  2. Achte auf deine Bedürfnisse: „Was brauche ich jetzt wirklich?“
  3. Vertraue deinem Körper
  4. Verzeih dir, wenn es mal nicht gut läuft

Ich kann gut verstehen, dass es anfangs eine Hürde ist, aus Angst wieder zuzunehmen. Aber du wirst sehen, dass du dich langsam mit deinem Körper einspielst und mit ihm, statt gegen ihn arbeitest.

Mir fällt es auch heute noch manchmal schwer, vor allem in Stresssituationen, bei mir zu bleiben und emotionalen Hunger von körperlichem Hunger zu unterscheiden. Welchen Tipp ich dir für solche schwierigen Momente noch mitgeben kann: Denk dich mal in die Zeit zurück, in der du noch ganz intuitiv essen konntest und frage dich „Wie hätte ich es da gemacht?“.

Es geht mir nicht darum, immer vorbildlich zu essen. Genau wie ich in anderen Lebenslagen nicht perfekt bin, bin ich es bei der Ernährung auch nicht. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, dass es ein unglaublich freies Gefühl ist, sich nicht mehr ständig Gedanken ums Essen machen zu müssen und auch nichts mehr abwiegen oder Kalorien zählen zu müssen.
Intuitives Essen scheint für mich die einzige sinnvolle Ernährungsform zu sein, weil es nunmal die natürlichste ist, mit der wir schon auf die Welt kommen.

Nicht ohne Grund scheitern über 90 Prozent aller Diäten und ich wünsche mir, den Einen oder Anderen, der diesen Artikel liest, zum Umdenken anzuregen

* Foto von Hannah Dennis

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s