„Du bist was du isst!“

In diesem Artikel möchte ich darüber berichten, welche Bedeutung Ernährung für mich hat und wie sich das im Laufe der Zeit verändert hat.

Vorab kann ich verraten, dass es eine lange Zeit in meinem Leben gab, in der Essen mehr Feind als Freund für mich war und ich mir gewünscht habe, das Essensbedürfnis einfach abzustellen.

Aber fange ich mal von Vorne an. Von meiner Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter war Ernährung nie ein Thema für mich. Ich habe mich weder gefragt, was gesund oder ungesund ist, noch irgendwelche Diäten gemacht und würde mich zu dieser Zeit als „Intuitiven Esser“ beschreiben.
Das änderte sich, als ich mir eine neue Herausforderung im Sport suchte und anfing mehr zu trainieren. Damit stieg auch mein Interesse für „gesunde“ Ernährung, denn ich dachte ich könnte durch eine Ernährungsumstellung noch mehr aus meinem Körper rausholen und meinen sportlichen Erfolg steigern. So fing ich also an, mein Toast oder Crunchy- Müsli am Morgen durch Magerquark mit Süßstoff und Beeren zu ersetzen und Kalorien zu zählen. Ich wog jede Mahlzeit aufs Gramm genau ab und schrieb alles, was ich gegessen hatte in ein kleines Buch, um den Überblick über meine Kalorienaufnahme zu behalten. Diese Umstellung fiel mir überhaupt nicht schwer. Ich hatte Spaß daran, meine Ernährung zu kontrollieren und würde sogar sagen, es ist neben dem täglichen Sport zu meinem Hobby geworden. Ich sah sehr schnelle körperliche Erfolge, fühlte mich anfangs fit und bekam viele Komplimente für mein Aussehen und meine Disziplin.

Ehe ich mich versehen konnte, stecke ich mitten in einer Essstörung. Ich war so motiviert durch meine körperliche Veränderung, dass ich mich immer weiter optimieren wollte und immer weniger aß. So wurden aus der Anerkennung von Außen schnell Kommentare wie „Jetzt reicht es aber.“ Oder „Ich habe dir Kuchen mitgebracht, du kannst es vertragen.“

Essen ist zu einem zentralen Punkt in meinem Leben geworden und ich konnte die Kontrolle nicht mehr loslassen, obwohl es mir längst nicht mehr gut ging. Ich verlor meine Energie und Lebensfreude, alles erschien mir belastend und anstrengend. Schließlich wurde bei mir Anorexie (Magersucht) diagnostiziert und ich musste eine lange Therapie machen, da ich es ohne Hilfe nicht geschafft hätte.
Nach dem Klinikaufenthalt schlug meine Ernährung eine andere Richtung ein. Ich hatte das Gefühl mein Essverhalten und damit auch meinen Körper nicht mehr kontrollieren zu können und fühlte mich durch diesen Kontrollverlust emotional immer schlechter. So entwickelte sich aus der Anorexie ein Binge Eating (emotionales Essen). Es war, als würde sich mein Körper all die „bösen“ Lebensmittel zurückholen, die ich mir zuvor verboten hatte und ich wollte mich plötzlich nur noch von Süßigkeiten ernähren. Meine anfängliche Disziplin schlug also um in maßlose Völlerei. Zu diesem Zeitpunkt begann meine Reise von einer Diät zur nächsten, da ich mich mit meiner starken Gewichtszunahme nicht zufrieden geben wollte und mir meine Kontrolle zurückwünschte. Ich scheiterte jedoch jedes Mal kläglich. Jeder Verzicht führte wieder zu schlimmen Essanfällen und am Ende wog ich immer mehr als vorher. Ich war zu dieser Zeit sehr verzweifelt und verlor den Glauben an mich. Ich konnte einfach nicht verstehen, wie ich damals so diszipliniert sein konnte und nun das komplette Gegenteil der Fall war.

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Apfel oder Eis?

Essen war einerseits die größte Befriedigung für mich und andererseits hasste ich es und wünschte mir den Essensdrang einfach abstellen zu können, weil es mich jedes Mal noch unglücklicher machte.

Es war ein jahrelanger Leidensweg und ich kann gar nicht genau sagen, zu welchem Zeitpunkt es wieder in eine andere Richtung ging.

Ich fing an, mich sehr intensiv mit mir auseinanderzusetzen und arbeitete an meiner inneren Einstellung. Dadurch wurde ich insgesamt gelassener. Hinzu kamen neue Projekte, auf die ich meine Aufmerksamkeit lenkte und somit dem Essen wieder weniger Aufmerksamkeit schenkte. Man kann sagen, dass ich nach und nach immer gleichgültiger wurde, was das Essen angeht, da ich in den vergangen Jahren immer wieder gescheitert war und keine Kraft mehr hatte weiter diesen Weg der Extreme zu gehen. Mein Wunsch war und ist es, ganz normal und intuitiv zu essen, wie ich es bis zum Einstieg in meine Sportlaufbahn gemacht habe.

Heute kann ich sagen, dass ich es geschafft habe und auf einem sehr guten Weg bin. Ernährung ist mir wichtig, ich interessiere mich nach wie vor sehr für das Thema und versuche ständig dazuzulernen. So habe ich in diesem Jahr beispielsweise eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin gemacht und besuche regelmäßig Seminare zu verschiedenen Ernährungsthemen.

Ich versuche mich größtenteils gesund zu ernähren, esse aber genauso gerne auch mal Süßigkeiten oder Fast Food. Ich ernähre mich seit meinem siebten Lebensjahr vegetarisch und heute sogar zu 90% vegan. 90% weil ich mir nichts mehr verbieten möchte und es mir widerstrebt mich an strikte Regeln zu halten. Ernährung ist so ein breit gefächertes Thema, bei dem es für mich kein Schwarz oder Weiß gibt. Jeder hat andere Bedürfnisse und muss für sich individuell herausfinden, was das Richtige für ihn ist. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich meine Diätreise beendet habe und mittlerweile unbeschwert essen kann.

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Heute bedeutet Ernährung für mich vor allem Selbstliebe und Achtsamkeit, denn sie hilft mir, mich mit meinem Körper zu verbinden, meine Bedürfnisse zu spüren und ihm das zu geben was er wirklich braucht.

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